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Chronik des ev. Kirchenchores

ev. Kirchenchor beim Jubiläumsgottesdienst zum 125-jährigen Bestehen am 12.10.2008

125 Jahre Evangelischer Kirchenchor Friedrichstal (1883 - 2008) -

ein guter Grund, einmal auf die Anfangsjahre und eine wechselvolle Geschichte zurückzublicken!

 

Die Jahre 1883-1910

Die Älteren unter uns werden sich vielleicht noch an die Wiederaufnahme der Chorarbeit nach dem 2. Weltkrieg erinnern, die Anfänge des Kirchenchores liegen jedoch  mit der Gründung durch den damaligen Gemeindepfarrer Philipp Roth im Jahre 1883.

Die erste urkundliche Erwähnung finden wir in Form einer „Aufnahmebestätigung in den Evangelischen Kirchengesangverein für Baden“ vom 3.8.1883 die uns im Original noch heute vorliegt.

Pfarrer Roth übernahm, unterstützt durch seine Frau, das Amt des Chorleiters und hatte auch die der Gründung vorausgegangene anderthalbjährige Aufbauarbeit geleistet. Damals wurde (ganz im Gegensatz zu heute!) ein Mitgliedsbeitrag von 30 Pfennig monatlich erhoben und unentschuldigtes Fernbleiben von Proben oder Auftritten gar mit einer Strafe von 50 Pfennig geahndet!  
Darüber hinaus gab es eine besondere Art von Ehrenmitgliedern, die mit ihrem Jahresbeitrag von einer Mark ab dem Jahre 1887 den Chor finanziell unterstützten.

Der Friedrichstaler Chor war  mit 77 Sängerinnen und Sängern im Gründungsjahr der mitgliederstärkste Kirchengesangverein der näheren Umgebung, zählten doch die meisten Chöre damals lediglich zwischen 30 und 50 Sänger.

Damit nahm der Chor eine herausragende Stellung ein und wurde auch schon zu auswärtigen Veranstaltungen eingeladen, was in Form einer Quittung vom September 1885 belegt ist: Fünf Bauern bescheinigen darin namentlich, für die geleisteten Fahrten nach Rußheim jeweils 2,50 Mark erhalten zu haben.
Einem Bericht aus dem Jahre 1894 entnehmen wir, dass auch damals schon Krisen gemeistert werden mussten, da hier ein Mangel an Tenorstimmen beklagt wird.
 

Nachdem Dekan Roth sein Amt als Chorleiter wegen „Überhäufung seiner Amtsgeschäfte“ niederlegen musste, konnte 1902, nach etwa 3-jähriger Pause, Hauptlehrer Karl Welk als Dirigent gewonnen werden. Im Jahre 1905 konnte so bei 15 Anlässen wieder vierstimmig gesungen werden, was durch eine Meldung aus demselben Jahr belegt ist. Die Mitgliederzahl betrug jetzt 36 Sängerinnen und Sänger.

Der schlechte Gesundheitszustand des Dirigenten zwang den Chor, im Jahre 1910 die Arbeit vorübergehend niederzulegen.

Die Jahre 1910 - 1945

Während des 1. Weltkrieges und der Nachkriegsjahre musste die Arbeit des Kirchenchores zwangsläufig ruhen, Dekan Philipp Roth war inzwischen verstorben.

Erst im Jahre 1922 konnte der neue Inhaber der Pfarrstelle, Pfarrer Heinrich Vogelmann wieder einen gemischten Chor aufbauen, der bereits ein Jahr später seinen ersten Auftritt in der Kirche hatte! Am 2. Dezember 1924 schließlich wurde der „Evangelische Kirchengesangverein Friedrichstal“ in einer Hauptversammlung wieder gegründet.

Unter der Leitung von Pfarrer Vogelmann, Oberlehrer Maag und Vorstand Alfred Herlan nahm der Chor einen raschen Aufschwung. Ab 1925 konnte sogar jährlich ein Familienabend veranstaltet werden, der eine beliebte Bereicherung des kulturellen Lebens am Ort darstellte.
 

Etwa 60 Aktive zählte der Chor nun wieder, darunter 19 Sänger, und hatte wiederum ein hohes Niveau erreicht, was durch zahlreiche Auftritte und die Gestaltung anspruchsvoller Kirchenkonzerte belegt ist. In einer Namensliste der Generalversammlung vom 22.12.1931 sind auch die geleisteten Auftritte aufgeführt und so belegt.

Auf Grund innerer Unruhen und Missklänge, deren Ursache zweifellos in der politischen Unordnung  jener Tage zu suchen ist, musste der Chor im Jahre 1932 aufgelöst werden.

Erst nach dem 2. Weltkrieg konnte der Chor am 5. September 1945 durch den damaligen Pfarrer Albert Zeilinger wieder ins Leben gerufen werden. Die Singstunden fanden damals im Kindergarten Hildastraße statt ebenso wie anfänglich die Gottesdienste und Trauungen der katholischen Mitbürger am Ort.

 

Die Jahre 1945-1975

In den Nachkriegsjahren entwickelte der Chor eine rege Tätigkeit in Form von zahlreichen Auftritten und der Gestaltung der allseits beliebten Familienabende mit Theateraufführungen durch Laienspieler. Dies zeigt auch den hohen Stellenwert, den der Kirchenchor im Gemeindeleben eingenommen hat!
 

Im Jahre 1948 übergab dann Pfarrer Zeilinger die Chorleitung an Erich Mahler, der den Chor bis 1989, also über 41 Jahre lang durch Höhen und Tiefen geführt und ihm große Beständigkeit gegeben hat. In diese außergewöhnlich lange Amtszeit fallen zahlreiche herausragende Ereignisse und Ehrungen, die hier im Einzelnen nicht genannt werden können.

Dass der Chor bis 1973 keine Jubiläen gefeiert hat, liegt daran, dass man der Meinung war, dass für die Zeit vor dem 1. Weltkrieg keine Unterlagen vorhanden seien. Erst Dekan Rupp konnte anlässlich einer Generalversammlung die Sängerinnen und Sänger von der Existenz belegender Schriftstücke informieren, die vom Gründer des Kirchenchores, Dekan Roth, offenbar bei den Kirchenakten verwahrt worden waren.

So konnte der Chor im Jahre 1973 erstmals ein Jubiläum, nämlich das 90jährige Bestehen mit einem Festgottesdienst feiern.

Kirchenrat Albert Zeilinger, der dem Kirchenchor viele Jahre eng verbunden war, hielt die Festpredigt. Die Jubiläumsfeier am 3.11.1973 in der Sängerhalle geriet zum kulturellen Ereignis für die ganze Gemeinde. Unser Sänger und damaliger Obmann Heinz Giraud konnte zu diesem festlichen Anlass erstmals  die aus den nun zugänglichen Akten von ihm in mühevoller Kleinarbeit verfasste Chronik des Kirchenchores präsentieren!

Die Jahre 1975 bis zur Gegenwart

Die lange Amtszeit von Chorleiter Erich Mahler vermittelte dem Chor eine große Beständigkeit und machte ihn zum festen Bestandteil des kulturellen Lebens in der Gemeinde. Zahlreiche Konzerte und Ehrungen belegen dies in eindrucksvoller Weise.

Im Jahre 1977 wurde Dekan Rupp, ein großer Förderer des Kirchenchores in den Ruhestand verabschiedet.

Zum 100jährigen Bestehen konnte dem Kirchenchor als erstem Chor in Friedrichstal die Zelterplakette verliehen werden, die der damalige Obmann Walter Reinmuth stellvertretend für alle Sängerinnen und Sänger entgegennehmen konnte. Mit einem Festgottesdienst und einem Ehrenabend am 22.10.1983 ging das Jubiläumsjahr seinem Ende entgegen.
Im selben Jahr verstarb mit Dekan Rupp ein großer Freund und Gönner des Kirchenchores.
 

Im Jahr 1989 übernahm dann Alex Friedrich das Amt des Chorleiters, das er bis heute innehat. Unter seiner Führung pflegt der Chor ein breitgefächertes Liedgut, das von den Alten Meistern, wie Bach, Schütz und Händel bis zu den zeitgenössischen Komponisten wie Distler, Michel oder Schweizer reicht. Die Anlässe für unsere Auftritte sind so bunt gemischt wie das Leben selbst und reichen vom frohen Ereignis wie z.B. Sonntag Kantate bis hin zur musikalischen Umrahmung von Trauerfeiern.

Dass die Erfüllung seiner Aufgaben für den Chor heutzutage immer schwieriger wird liegt auf der Hand, denn die allenthalben verbreiteten Nachwuchssorgen machen auch vor den Kirchenchören nicht halt. So zählt der Chor heute 38 Sängerinnen und Sänger und wird auch weiterhin bemüht sein, das Wort Gottes im Lied zu verkünden zur Ehre Gottes und zur Freude aller Gottesdienstbesucher.
 
Seit nun schon mehr als 10 Jahren übernimmt Frau Sieglinde Hengst das Amt der Chorobfrau, seit diesem Jahr unterstützt in ihren Führungsaufgaben durch Frau Christel Meinders.